2011 - 150 Jahre Männerchor Murg

Männerchor Murg Gründungsfoto 1861
Gründungsfoto 1861

Gründung 1861

„Der Zweck des Vereins ist: durch Einübung würdiger, ernster und heiterer Gesänge, erhabene Gefühle für Gott und Vaterland zu wecken, geselliges Leben zu fördern, und auf Veredlung des Gesanges hinzuwirken.“

Mit dieser Präambel beginnen die ersten Statuten des Männerchors zu Murg aus dem Jahre 1861.

Das älteste Dokument des Männerchors Murg ist ein Bericht des Gemeinderats Murg an das Großherzogliche Bezirksamt Säckingen über die Gründung des Männerchors mit gleichzeitiger Übersendung der beschlossenen Statuten des Chores; es trägt das Datum 14.Oktober 1861. Die Bestätigung des Bezirksamtes vom 04.November 1861, die Statuten  und der erwähnte Gemeinderats-Bericht bilden die Grundlagen für das große 150-jährige Jubiläum des Männerchors Murg.

Das Bezirksamt teilte damals mit, dass sich der neue Verein in seinem besonderen Versammlungslokale nicht an die allgemeine Polizeistunde halten muss, sofern die Versammlungen nicht in Zechgelagen oder Ruhestörungen ausarten.

Die ersten Vorstandsmitglieder: Jakob Meyer, Lehrer und Werkmeister als Direktor, Franz Josef Schlageter, Webermeister als Präsident, Ignaz Höfler, Sohn des Hammerwerkbesitzers Anton Höfler als Kassierer und zugleich Vizepräsident, sowie Jakob Bossard, Contorschreiber als Aktuar. Die Mitglieder gingen sogleich an die Arbeit, warben Mitglieder und Förderer und bereiteten bereits auf 4.Dezember 1862 eine Fahnenweihe vor. 

Die ersten Jahre (1861 – 1893)

Die im Jahre 1857 neuangesiedelte Textilfirma „Hüssy & Künzli AG aus Safenwil im Kanton Aargau brachte Schweizer Bürger mit ihren Familien nach Murg, von denen sich spontan einige im neugegründeten Männerchor engagierten, nämlich Jakob Meyer und Jakob Bossard. Wie wir im weiteren Verlauf der Vereinsgeschichte noch sehen werden, war der schweizerische Einfluss immer wieder vorhanden.

Gleich zu Beginn bemühte sich der schon einige Zeit existierende Musikverein „Harmonie“ um eine Zusammenarbeit mit dem neugegründeten Männerchor.

Aus unbekannten Gründen kam es aber nie zu einem echten Zusammenschluss; der Männerchor Murg trat immer unter seinem eigenen Namen auf. Der Männerchor erfreute die Einwohner und seine Mitglieder bei öffentlichen Anlässen, aber auch bei Tanzkränzchen oder bei Veranstaltungen des damals noch existierenden Lesevereins.

„Schweizer Männerchor Murg“ (1893 – 1914)

Nach einigen Jahren des Stillstandes (aktenkundliche Unterlagen hierzu fehlen leider) fand am 1.Juli 1893 unter dem Namen „Schweizer Männerchor Murg“ eine Wiedergründung statt. Wiederum ergriffen  Schweizer Bürger die Initiative zur Gründung des Chores, dessen Initiator und späterer Präsident der Schweizer Wilhelm Bolliger war. Der Verein blühte auf, es fanden jährlich Frühlingsausflüge, Wanderungen, Sängerfahrten und an Fastnacht Unterhaltungsabende statt. Insbesondere wurde die Sängerverbundenheit mit Schweizer Chören gepflegt; Teilnahmen an Sängerfesten und Abendkonzerten in Laufenburg/Schweiz waren obligatorisch.

Beim 15-jährigen Bestehen des Schweizer Männerchors fand 1908 eine Fahnenweihe statt, die zu einem bedeutenden Anlass in Murg wurde. Die örtlichen Vereine, wie der Spielmannszug des Turnvereins, die Feuerwehrkapelle, der katholische Kirchenchor und der Zitherverein, gaben der Fahnenweihe ein festliches Gepräge. Der Schweizer Männerchor hatte damals die stattliche Zahl von 34 Sängern und 30 Passivmitgliedern.

Mit Ausbruch des 1.Weltkrieges gingen die Aktivitäten verständlicherweise zurück, weil die Männer in den Krieg ziehen mussten. 1919 trafen sich die Sänger wieder, um ihre kulturelle Arbeit erneut aufzunehmen. Da inzwischen keine Schweizer mehr als Sänger vorhanden waren, nahm der Chor den Namen

„Männerchor Murg (alter Schweizer Männerchor)“ (1919 – 1945)

an. Immer wieder waren es rührige Präsidenten und engagierte Dirigenten, die nach schwierigen Zeiten die Fahne des Männerchors hochhielten. Trotz des Verlustes finanzieller Mittel durch die Inflation hielten die Sänger dem deutschen Lied die Treue und belebten bei zahlreichen Veranstaltungen das kulturelle Leben in der Gemeinde. Ein großer Anlass war die Teilnahme am „Deutschen Bundessängerfest“ 1928 in Wien, wo sich der Murger Männerchor die „Schubert-Medaille“ ersang. Auch das 40-jährige Stiftungsfest 1933 wurde ein Höhepunkt. Auf die sogenannte „Gleichschaltung“ durch das nationalsozialistische Regime folgte mit Kriegsbeginn und den damit verbundenen Einzug der Sänger zum Militär das langsame Erlahmen der Vereinsarbeit. Mit den Sängerkameraden im Felde hielt der Verein durch Grüße und Päckchen immer Verbindung.

Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg (1946 – 1980)

Unmittelbar nach Genehmigung für Vereins-Wieder-Gründungen durch die französische Besatzungsmacht begannen Ernst Döbele, Otto Lüthy, Ludwig Döbele, Fritz Muffler und Adolf Bäumle, den Männerchor wieder auf die Beine zu stellen; so kamen am 5.Oktober 1946 34 alte Aktiv- und Passivmitglieder, sowie 9 Neumitglieder zusammen und beschlossen eine neue Satzung. Als Vorsitzender wurde Ernst Döbele gewählt, und die wöchentlichen Proben begannen sofort. In den ersten Jahren wurde der Männerchor von Studienrat Fritz B.Metzger aus Säckingen und von Oberlehrer Josef Lüthy aus Murg dirigiert. Danach folgten zwei große Epochen, die den stetigen musikalischen und gesellschaftlichen Aufschwung der nächsten Jahrzehnte prägten, nämlich die Ära unter Bundeschorleiter Kurt Layher, Säckingen und die Ära Klaus und Reinhard Döbele, Murg. Diese Chorleiter brachten den Männerchor zu Höchstleistungen; erinnert sei nur an die sogenannten klassischen Konzerte mit Lortzing-, Verdi-, Silcher- und Fischer-Chören, die später auch zusammen mit den vom gleichen Dirigenten geleiteten Sängerkreis Säckingen und Liederkranz Wehr sich am Hochrhein zu den glanzvollen „Layher-Chören“ darboten.

Zu echten großen Höhepunkten chorischer Musik gestalteten sich das 60-jährige Vereinsjubiläum von 1953 und das 75-jährige Vereinsjubiläum, beide auf die Gründung des „Schweizer Männerchors“ von 1893 bezogen. Als man jedoch aufgrund alter Unterlagen bei der Gemeinde feststellte, dass es bereits 1861 einen Männerchor gab, beschloss man, 1969 das 100-jährige Jubiläum zu feiern. Für die beiden Chorleiter dieser Jubiläen, Kurt Layer und Klaus Döbele, aber vor allem auch für die damaligen Vorsitzenden Alfons Zimmermann und danach dessen Sohn Wilfried Zimmermann, waren es gewaltige musikalische und organisatorische Aufgaben, die aber von allen und der ganzen Sängerkameradschaft mit großem Elan und Engagement bewältigt wurden. Als besondere Auszeichnung erhielt der Männerchor die begehrte und vom Bundespräsidenten verliehene „Zelter-Plakette“ überreicht. Neben diesen großen Jubiläumsfeierlichkeiten mit zahlreichen Gastchören, prägten die jährlichen Konzerte, musikalischen Mitwirkungen bei öffentlichen und Vereins-Jubiläums-Veranstaltungen, aber auch für die Sängerkameradschaft wichtigen Auftritte bei Familienfesten, Unterhaltungs- und Fastnachtsabenden das Vereinsleben. Die Beteiligungen des Männerchors von Murg am Walensee (Schweiz) und des Doppelquartetts „Basler Dybli“ an den Jubiläen zeigen, dass auch die Verbindung zur Schweiz gepflegt wurde.

Zu neuen Ufern (1980 -1986)

1980 übernahm der bisherige Vizedirigent Reinhard Döbele von seinem Bruder Klaus Döbele (Chorleiter seit 1967) die musikalische Verantwortung und führte den Chor zu neuen Aktivitäten. Um der Überalterung des Chores entgegen zu wirken, gründete er 1973 einen Jugendchor, der einen verheißungsvollen Start nahm, aber bereits wenige Jahre danach wieder aufgegeben werden musste, weil dessen Dirigent Thomas Zimmermann sein Studium begann und kein weiterer musikalischer Leiter gefunden werden konnte. Der Wechsel vom Alemannischen Sängerbund zum Hochrhein-Sängerbund war für den Verein ebenfalls bedeutend, weil alle Nachbar-Chöre diesem angehören. Dies ermöglichte auch die Beteiligung an den jährlich stattfindenden Gruppenkonzerten der Chöre „Säckingen-Hotzenwald“.

Ein weiterer Meilenstein war die Mitwirkung bei der Verschwisterungsfeier an Pfingsten 1984 in der Jumelage-Gemeinde Mehun sur Yèvre/Frankreich, die in Mehun einen großen Eindruck hinterließ und für die Sänger ein eindrucksvolles Erlebnis wurde. Eine enge Verbindung zum Männerchor Harpolingen, der ebenfalls von Reinhard  Döbele dirigiert wurde, ermöglichte unvergessliche Gemeinschaftskonzerte.

Mit der Wahl von Manfred Eschbach als 1. Vorsitzender im Jahre 1985 bekam der Männerchor Murg neue Schubkraft, die er aber auch für das 1986 anstehende 125-jährige Vereinsjubiläum brauchte.

Vom 24. Mai bis 2. Juni 1986 dauerte das große Jubiläum, das nicht nur für den Männerchor, sondern für die ganze Gemeinde ein ähnlich großes Ereignis wurde, wie das 100-jährige Jubiläum 1969. Insgesamt 8 Chorgruppen des Hochrhein-Sängerbundes nämlich Säckingen-Hotzenwald, Tiengen, Dogern, Klettgau, Stühlingen I, Jestetten, Stühlingen II und Unteres Wutachtal mit insgesamt 35 Chören nahmen daran teil. Ein Festprogramm mit Beteiligung aller örtlichen Gesangs- und Musik- Vereine machte den Jubelchor und die Gemeinde über 4 Tage lang zum kulturellen Mittelpunkt am Hochrhein.

Mit diesem Großereignis und mit dem dabei erhaltenen Aufschwung startete der Männerchor Murg in die nächsten 25 Jahre.

Die letzten 25 Jahre (1986 – heute)

Die vergangenen 25 Jahre waren für den Männerchor bewegte, aber auch starke Jahre. Das Duo Reinhard Döbele (Chorleiter) und Manfred Eschbach (1. Vorsitzender, mit Unterbrechung bis 2008) hat in dieser Zeit den Männerchor geprägt und ihm ihren Stempel aufgedrückt. Die Lösung des Nachwuchsproblems und das Beschreiten neuer Wege, auch in musikalischer Hinsicht, haben sie sich vorgenommen und zum größten Teil auch umgesetzt. Davon sprechen die nächsten Abschnitte:

Jugendchor

Nach Weggang des ersten Jugendchorleiters Thomas Zimmermann (Studium) übernahm Gabriele Döbele ab 1988 den Jugendchor, dessen Bestandserhaltung immer wieder wegen der bei Jugendlichen üblichen Fluktuation sehr schwierig war, aber gelang. Bei vielerlei Gelegenheiten, z.B. im Altersheim St.Vinzentiushaus, bei den Senioren-Nachmittagen der Gemeinde, bei Männerchor-Konzerten, Chortreffs  usw. trat der Jugendchor bis zu seiner endgültigen Auflösung 1993 erfolgreich auf. Er wurde am Schluss von Brigitte Walter geleitet, nach deren Rücktritt leider kein neuer Chorleiter gefunden werden konnte.

Gospelchor

Viel mehr Erfolg und seit der Gründung stets aufwärts strebend hatte die Bildung eines Gospelchores, der unter dem Namen „The New Gospel Singers“ Jung und Alt begeistert. Giuseppe Maenza, später Arlene Ehemann und seit 2006 Anne Kütemeier, verstanden und verstehen es, mit Frauen und Männern zwischen 16 und 60 Jahren moderne Gospel-Musik einzuüben und gekonnt vorzutragen. Mit diesem frischen Wind innerhalb des Männerchores ging die von Manfred Eschbach 1991 ausgesprochene Forderung: „Wir müssen alte Pfade verlassen und neue Wege beschreiten“ in Erfüllung. Inzwischen sind die „New Gospel Singers“ durch ihr Mitwirken bei Konzerten des Männerchores, aber auch durch eigene Konzerte, vor allem Kirchenkonzerte, über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt.

Felix-Kindergarten-Chöre

Der Deutsche Sängerbund stiftete die sogenannte „Felix-Plakette“ für Kindergarten-Chöre. Danach erhalten diese begehrte Plakette Kindergärten, die mit ausgebildeten Leiterinnen in ihren Kindergärten die Kinder zum kindgerechten Singen hinführen und einen Kindergarten-Chor bilden. Die Betreuung dieser Aufgabe wurde an die örtlichen Männerchöre gegeben. So gelang es dem Männerchor Murg in allen drei Kindergärten des Ortsteils Murg, nämlich „St. Josef“, „St. Hildegard“ und „Weizenkorn“ durch ausgebildete Fachkräfte Kindergarten-Chöre ins Leben zu rufen, denen durch den Präsidenten des Sängerbundes die „Felix-Plakette“ verliehen werden konnte. Diese Plakette muss alle 5 Jahre erneuert werden.